Red Bull Storm Chase.

Exklusiv-Bericht von Testimonial Leon Jamaer.

Die grüne Flagge, das Startsignal für meinen ersten Heat beim Red Bull Storm Chase, soll in wenigen Minuten gehisst werden. Gleichzeitig nähert sich von Westen eine dunkle Wolkenfront mit rapidem Tempo. Die Luft hat 4 Grad Celsius, wird jedoch innerhalb von einigen Sekunden spürbar kälter. Der plötzlich einsetzende Hagel wird von Orkan-Böen begleitet. Mein gesamter Körper ist vom Neoprenanzug bedeckt. Nur das Gesicht ist ungeschützt und ist den fast waagerecht hinunter prasselnden Eiskörnern somit frei ausgesetzt. Ich habe keine andere Wahl als vom Brett ins Meer zu springen, mich unter dem Segel zu verstecken und abzuwarten bis die Wetterfront vorüber gezogen ist. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse wird mein Heat unterbrochen, kurze Zeit später jedoch fortgesetzt.

Es ist der 10. März und wir befinden uns in Magheroarty in der Region Donegal im Nordwesten von Irland. Nachdem die Veranstalter des Red Bull Storm Chase drei Jahre lang auf den richtigen Sturm gewartet haben, macht das irische Wetter dem Wettkampf-Format nun alle Ehre. Die acht radikalsten Windsurfer der Welt sind zusammengekommen, um sich bei einem Wettkampf unter extremen Wetterbedingungen zu messen – begleitet von einer sechzig Mann starken Orga-, Media- und Safety-Crew. Vier Tage zuvor fiel der Startschuss, nachdem Meteorologen den Sturm Garreth als geeignet auserkoren hatten. Geeignet bedeutet in diesem Fall: Eine Windstärke von mindestens zehn Beaufort und das Potenzial für zehn Meter hohe Wellen. Daraufhin machten sich die Fahrer und die Crew aus aller Welt auf den Weg nach Irland. Beim Storm Chase bewerten Kampfrichter über zwei Tage hinweg die fünf besten Sprünge und die fünf besten Wellenritte eines jeden Fahrers. Für den höchsten Sprung und die größte gerittene Welle gibt es Extrapunkte. Wer nach zwei Tagen die meisten Punkte gesammelt hat gewinnt!

Der Wettkampf kann zwischen Januar und März jederzeit und überall in Europa gestartet werden. Drei Jahre lang hatten die Veranstalter und deren Meteorologen nun den Atlantik in den Wintermonaten genauestens beobachtet. Immer wieder sollte es schon losgehen und dann wurde der Wettkampf in letzter Sekunde doch noch abgeblasen, weil das Tiefdruckgebiet plötzlich vom Kurs auf Europa abgewichen ist. Als am 6. März die offizielle GO-Entscheidung fällt ist die Wettervorhersage nicht besonders eindeutig und extrem inkonstant. Garreth soll stark werden doch das System ist klein und dessen Route daher schwer vorherzusagen. Ob der Sturm in Frankreich, England oder Irland auf die Küste trifft lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht genau sagen. Doch für die Veranstalter ist dies die letzte Chance den Event zum Leben zu erwecken bevor er nach drei erfolglosen Jahren wohl sonst der Geschichte angehört hätte. Während ich im Flugzeug nach Dublin sitze entscheidet man sich für den Nordwesten von Irland als Austragungsort. Die Küste von Donegal ist für schwere Winterstürme berüchtigt, welche dort gewaltige Wassermassen gegen die schroffen Felsen und in die weiten Buchten drücken. Für die Veranstalter wird aus dem Schuss ins Dunkle ein Treffer ins Schwarze. Garreth erreicht die irische Küste und ist um einiges stärker als vorhergesagt. Die Bucht von Magheroarty ist der perfekte Ort, um einen derartigen Wettkampf durchzuführen. An der Riffkante vor einer Hafenmole reihen sich die Wellen auf und bringen etwas Ordnung in das Chaos auf dem Atlantik. In Lee erstreckt sich eine große Sandbucht, welche ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Der Ort wirkt wie ein riesiges Amphitheater.

Als der Wettkampf gestartet wird ist das Wetter unbeständig. Der Wind weht mit etwa 9 Beaufort. In den Hagel- und Schneeschauern, die immer wieder durchziehen erreicht der Wind jedoch Sturmstärke. Die anderen Fahrer kommen zum Teil aus Australien, Hawaii oder Venezuela und meistern die für sie ungewohnt frostigen Bedingungen hervorragend. Dennoch kommen alle an ihre Grenzen. Taube Finger und krampfende Glieder sind bei diesen Temperaturen normal. Auch für mich sind es die extremsten Windsurfbedingungen bei denen ich je auf dem Wasser war. Dennoch habe ich durch die vielen winterlichen Erfahrungen an der Nord- und Ostsee eine gewisse Routine entwickelt. Ich fühle mich während des Wettkampfs jederzeit wohl, vertraue meinen Fähigkeiten und habe nicht das Gefühl ein übertriebenes Risiko einzugehen. Mein drei Quadratmeter großes Segel, das extra für die Veranstaltung angefertigt wurde, liegt perfekt in der Hand und ich kann meine besten Sprünge sauber landen. Der Sturm wird im Laufe der Veranstaltung immer stärker. Als ich nach meinem letzten Heat vom Wasser komme ist es so windig, dass ich den Strand nicht mehr aus eigener Kraft hochgehen kann. Erst als der Sturm eine kurze Verschnaufpause einlegt kann ich die letzten Meter zum Auto zurücklegen. Am Ufer wird in diesem Moment eine Windgeschwindigkeit von 131 km/h gemessen. Das entspricht voller Orkanstärker oder 12 Beaufort. Auf dem Meer bewegen sich die Luftmassen wahrscheinlich noch schneller.

Nach zwei harten Tagen im rauen Atlantik gebe ich mich mit einem dritten Platz hinter dem Australier Jaeger Stone und dem Deutschen Philip Köster zufrieden. Zu sehen, dass man bei solch heftigen Naturgewalten mit seinem Windsurfmaterial Spaß haben kann ist unglaublich und ich denke, keine andere Sportart kann dem Windsurfen in dieser Hinsicht das Wasser reichen.

Autor: Markenbotschafter von GP JOULE CONNECT Leon Jamaer

Video zum Red Bull Storm Chase